Marokko

Wie jedes Jahr standen wir vor der Entscheidung, wohin fahren in den Urlaub.

Nachdem wir eigentlich schon die ganze Welt  ins Auge gefasst und uns entschlossen hatten, Europa urlaubstechnisch zu verlassen, fiel die Wahl auf Marokko. Nicht gerade weit weg; aber immerhin......für den Anfang!?

Am 08.06.2004 wollten  wir dann um 00:12Uhr mit der Deutschen Bahn nach Düsseldorf fahren und von dort sollten wir dann um  Uhr mit der LTU in Richtung Agadir starten.

Unsere Freundin Maria fuhr uns zum Bahnhof und als wir dort so in Urlaubsstimmung standen und uns über die schönsten 2 Wochen im Jahr unterhielten, dachten wir noch, es sei alles gut zu schaffen.

Doch dann fing es an!

Der Zug kam mit 10minütiger Verspätung auf dem HBF Hannover an. Bis dahin war das noch kein Problem.

Während der Fahrt hielten wir an Orten, an denen dieser ICE normaler Weise nicht hält und ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir ganz schön in Verzug waren.

Dann auch noch das „ ‚Sehr geehrte........., leider hat der Anschlusszug in Hamm 90 Minuten Verspätung!

Panik kam auf! Wie nach Düsseldorf kommen? Der Flieger? Na, dass fängt ja super an. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt.

Dann plötzlich wieder die Stimme des Zugchefs, die uns mitteilte, dass der Zug in Dortmund einen außerplanmäßigen Halt machen würde, und die Weiterfahrt mit den örtlichen Bahnen gesichert sei.

Puh, aufatmen, Puls herunter bringen,  wir schaffen unseren Flieger.

Nun gut, nach dem kleinen Schock in der Nacht, kamen wir dann ziemlich erledigt auf dem Flughafen in Düsseldorf an.  

 

Kaum zu glauben, das Flugzeug startete pünktlich und wir kamen gut betreut und wohlbehalten um 08:20Uhr Ortszeit, nach ca. 4 Stunden Flug, in Agadir an.

Mit dem organisierten Transfer erreichten wir dann das RIU Hotel Tikida Dunas.

Ein neues und sehr schönes Hotel, welches beim Betreten den vorangegangenen Stress schon wieder vergessen ließ.

Wir erhielten wunschgemäß ein schönes Hotelzimmer mit Meerblick. Von unserer Terrasse waren uns lediglich 10 Meter  bis zum Strand. Traumhaft.

Zu dem Hotel braucht man eigentlich nicht viel sagen. Es war ein schönes Hotel der gehobenen Kategorie und erfüllte unsere Wünsche in jeder Hinsicht. Auch die Variante „all inclusive“ bekam für uns eine andere, positive Bedeutung. (Wir hatten es ja auch schon mal anders......)

Während einer Verlosung im Rahmen der TUI Begrüßungsveranstaltung hatte ich – und das war bisher noch nie da gewesen -  einen Ausflug gewonnen.

Die Freude war groß und wir entschlossen uns deshalb noch einen weiteren Ausflug dazu zu buchen.

Ein bisschen Kultur sollte schon sein.

Die Wahl fiel auf eine 2-Tages-Rundreise, die uns über Marrakesch und Essaouira zurück nach Agadir führen sollte

 

In den frühen Morgenstunden des 11.06.2004 machten wir uns mit dem Bus auf den Weg. Zuvor sammelten wir noch einige andere Kulturhungrige unterschiedlichster Couleur ein.

Während der Tour lernten wir uns von Kilometer zu Kilometer (und das waren einige) immer besser kennen. Im nachhinein kann man sagen, dass wir 12 eine lustige, bunte Truppe waren.

Marrakesch:

Auf dem Weg nach Marrakesch bekamen wir durch unseren Reiseführer eine Menge Information über Leben, Religion und Geschichte.

Unser Bus schlängelte sich durch die Berge und wir bekamen eine traumhafte Landschaft zu sehen. Das Marokko so grün sein konnte, versetzte uns schon ins Staunen.

Wir hatten mit einer Menge Sand und Wüste gerechnet. In den Ebenen änderte sich dann das Bild: Karge Landschaft mit einigen grünen Oasen an Wasserläufen.

Ebenso erstaunte uns das Leben am Rande der Straße nach Marrakesch. Es war eine Mischung aus westlicher Aufgeschlossenheit und 1001 Nacht.

Allerdings war auf den Dörfern die Armut der Bevölkerung und des Landes zu erkennen und es erschüttert einen gewaltig, wenn man sieht, unter welchen Umständen ein Großteil der Bevölkerung dort lebt.

Andererseits ist es auch interessant zu sehen, wie pfiffig die Leute sind, um Steuern zu sparen. Da man für ein Haus erst dann Steuern bezahlt, wenn es komplett fertig ist, hat man eben immer eine Fassade, an der noch Kleinigkeiten zu machen sind.

Alle Fragen, die während der Fahrt auftauchten, wurden durch unseren Reiseführer umfassend und informativ beantwortet..

In Marrakesch angekommen, starteten wir gleich mit unserer Stadtrundfahrt. Vorbei an Moscheen und anderen monumentalen Gebäuden, erreichten wir dann einen Marktplatz, der uns schon einmal einen kleinen Einblick in das Leben in Marrakesch gab.

Weiter ging es dann zu dem Bahia Palast.

Während der Besichtigung wurde die Liebe des Bauherren zum Detail mehr als deutlich. Die Mosaiken, die uns mit ihrer Schönheit in den Bann zogen, die Türen und Fenster mit ihren Schnitzereien und Ornamenten von denen wir die Blicke gar nicht mehr lassen konnten.

Die Großzügigkeit der Räumlichkeiten.

Fraglich ist natürlich, ob die Angaben über den Harem des Großvisiers den Tatsachen entsprachen oder doch schon ein wenig von Reisegruppe zu Reisegruppe angewachsen waren.

Wir hatten auf jeden Fall das Gefühl, in eine orientalische Märchenwelt versetzt worden zu sein.

Einen Kontrast zur quirligen und lauten Stadt bietet der Jardin Majorelle, den Jacques Majorelle 1923 um seine Villa anlegte. Dieser leuchtende Farbrausch wurde von Yves Saint Laurent restauriert und der Stadt Marrakesch übergeben. Ich könnte mich stundenlang hier aufhalten, Ruhe, Farben, Pflanzen und Architektur ist beeindruckend!

Weiter ging es zur Moschee Ben Youssef mit Medrasa Ben Youssef (Gebetsschule), die entgegen dem zuvor gesehenen Palast doch beengtere Räumlichkeiten aufwies.

Hier erfuhren wir eine Menge über die Religion an sich und Ausübung derselben.

Im Weiteren folgte noch ein Besuch des Bab Agnou, einem sehenswerten Stadttor und den Saadier-Gräbern.

Zwischenzeitlich steuerten wir unser Hotel an, bezogen unsere Zimmer und nahmen ein kleines Mittagessen ein.

Die Mittagspause kam wie gerufen. Es hatte den Anschein, das Marrakesch alles gab, was es an Temperaturen zu geben in der Lage war.

Die Luft stand in der ganzen Stadt und es waren weit über 40 Grad Lufttemperatur. Vorm Hotel hatte man das Gefühl, als sei ein riesiger Heißluftfön aufgestellt.

Nachmittags gingen wir in das Herz von Marrakesch, die Souks. Hier versammeln sich Handwerker, Mediziner und Händler mit Warenangeboten in allen  Farben, Materialien und Aromen – einfach alles, was das tägliche Leben dieser Stadt ausmacht.

 Die Dimensionen dieser kleinen Gassen sind unglaublich, an jeder Biegung neue Eindrücke. Da die Müllabfuhr streikte, vermischten sich die Gerüche von Abfall und der ohnehin überall in der Luft liegenden orientalischen Gewürze zu einem Cocktail, der sich tagelang auf der Haut, der Kleidung und in der Nase festsetzte. Hinzu kommt das laute Treiben -  Gehämmer und Schweißen in der „Schmiedegasse“, das immerwährende angesprochen werden von Verkäufern und durch die Enge der Gassen und Touristen knatternden Mopeds, eine Extrembelastung der fünf Sinne.

Auf dem Gaukler-Platz Gamaa' al-Fana in der Stadtmitte trifft sich abends ganz Marrakesch. Hier gibt es Schlangenbeschwörer, Heiler, Wasserverkäufer, dressierte Affen, Musiker, alle möglichen gegrillten und gekochten Innereien, frisch gepresste Säfte etc., es pulsiert das Leben.

Zum Abendessen fuhren wir vor die Tore der Stadt, um in einem Touristenkomplex Namens „Chez Ali“ von Reitervorführungen, Magikern und Bauchtänzerinnen unterhalten zu werden. In dieser leicht übertriebenen 1001-Nacht-Show muss man die Leistung der Akteure hervorheben, besonders die Reiter stellten ihre Kunst eindrucksvoll unter Beweis.

Serviert wurde natürlich das typische Landesgericht Kuskus.

Um Mitternacht, nach einem Feuerwerk, fuhren wir erschöpft zurück ins Hotel.

 

 

Ausgeschlafen und durch ein ordentliches Frühstück gestärkt erwarteten wir an diesem Tag

Essaouira

Würde es genauso eindrucksvoll sein, wie gestern. Na, mal sehen...... !

Eines war klar, es war am heutigen Morgen schon heißer, als am ganzen gestrigen Tag

Kurz vor Essaouira wurde uns an einem Aussichtspunkt ein erster  Blick auf die Hafenstadt gegönnt.

Vielversprechend lag sie uns zu Füßen.

Natürlich ist bei den Einheimischen  bekannt, dass hier die Touristenbusse halten; deshalb boten auch sofort geschäftstüchtige Marokkaner ihre Kamele für einen kurzen Ritt an. Ein paar Dirham für den Kamelritt und natürlich noch  ein paar Dirham extra für ein Foto.

Und plötzlich war er da... Der für die Region typische Wind, der die Temperatur angenehmer machte.

Der Weg in die Hafenstadt führte vorbei an einem langen Sandstrand mit neuen Hotels. Essaouira ist, wie wir dann erfuhren, sehr beliebt für musikalische Events einheimischer und ausländischer Künstler.

Von unserem Ausgangspunkt machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Durch das große Stadttor betraten wir einen Ort, in dem die Farbe blau zu dominieren schien. Türen, Fensterrahmen und –läden erstrahlten im gleißenden Sonnenlicht in einem schönen hellblau.

Eingeführt von den Portugiesen und beibehalten von den Bewohnern Essaouira's.

Die Stadt ist geprägt von einer Vielzahl von Geschäften, in größeren und kleinen Gassen. Auch in Essaouira gibt es die typischen Souks. Natürlich nicht in dem Umfang wie in Marrakesch. Deswegen aber nicht weniger interessant

Wer sich für handgearbeiteten Schmuck aus Gold und Silber interessiert, der muss unbedingt die sogenannte „Silbergasse“ besuchen, in der auch die Farbe blau regiert.  In den Auslagen werden kunstvoll gefertigte  Schmuckstücke zu recht moderaten Preisen angeboten.

Ein Besuch des wohl am Ort größten Schnitzereibetriebes und ein Gang durch dessen Werkstatt brachte uns den Wert der dort angebotenen Holzintarsien näher. Das war noch echte Handarbeit.

Im weiteren Verlauf bestaunten wir einen riesigen Fischmarkt, auf dem wohl alle Fische angeboten wurden, die der Atlantik hergab.

Die Verarbeitung erfolgte vor Ort. Frischer konnte Fisch wirklich nicht sein!

Plötzlich aufkommender Hunger wurde in einem kleinen gemütlichen Restaurant in einer ruhigen Seitenstraße  gestillt.

Gestärkt und etwas ausgeruht ging es weiter.

Von Neugier getrieben begaben wir uns auf die aus portugiesischer Zeit stammende Festungsmauer mit ihrer endlos erscheinenden, zum Meer hin ausgerichteten Kanonenreihe. Ein Imposantes Schauspiel.

Am Ende der Kanonenreihe fiel der Blick auf den Hafen.

Der Duft von frisch gebratenem Fisch strömte einem auf dem Weg dahin schon entgegen. In den direkt an der Kaimauer liegenden Bratküchen wurden die unterschiedlichsten Meerestiere zubereitet und angeboten.

Hier herrschte ein buntes Treiben von Einheimischen und Touristen, die sich die Leckereien schmecken ließen.

Der Weg führte weiter in Richtung der Werften, in denen reges handwerkliches Treiben zu hören und zu sehen war. Hier entstehen Holzschiffe für den Fischfang und andere Zwecke.

Zum Schluss fiel unser Blick auf  eine Menge von blauen Ruderbooten, die friedlich und gelangweilt in der leichten Brandung vor sich hin schaukelten.

Irgendwie passte dieses letzte Bild zu Essaouira und seinen Bewohnern. Hektik und Stress schienen uns hier gänzlich unbekannt. Ruhe und Gelassenheit gaben den Ton an.

Schade aber es war an der Zeit Essaouira zu verlassen und die restlichen 170 Kilometer nach Agadir anzutreten.

Auf dem Rückweg bekamen wir noch Ziegen in Bäumen zu sehen. Ja. Unglaublich aber wahr. In Marokko gibt es Ziegen, die auf Bäume klettern.

Wer es nicht gesehen hat, der glaubt es nicht!!!